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Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Gerhard Stöger, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Ordentlich was los war vergangenen Freitag bei der seit Wochen ausverkauften Plattenpräsentation von Soap&Skin in der Arena. Und zwar nicht nur im Zuschauerraum: Das mit Streichern, Bläsern und Chor besetzte Ensemble unseres vorletztwöchigen Coverstars war auf gleich 14 Personen angewachsen, es stand also ein kleines Orchester auf der Bühne. Die Bars blieben während des Konzerts geschlossen, dafür qualmten dicke Weihrauchschwaden von der Bühne. Alles sehr speziell also, und doch wurde es nur ein gutes und kein herausragendes Konzert. Was weniger an Soap&Skin als vielmehr am Ambiente lag: Der Arena ist als alter Rockhütte die Unruhe einfach genetisch eingeschrieben, und Unruhe und Soap&Skin, das will einfach nicht so recht zusammenpassen. Für das nächste Mal wünschen wir uns das Konzerthaus. Oder gleich den Stephansdom! Uneingeschränkt toll fanden wir dafür das neue Merchandiseprodukt der Musikerin: eine von Zotter produzierte Soap&Skin-Schokolade, gefüllt mit Weihrauch, Rotwein, Kornblume - und ein wenig Schweineblut.

Ungefähr das Gegenteil von Soap&Skin veranstaltete der Berliner Entertainer Kurt Krömer im (wegen der vielen Deutschen, die meisten Österreicher verstehen diese Art Humor doch gar nicht) ausverkauften Stadtsaal. Der Mann terrorisierte das Auditorium, knutschte wildfremde Damen ab und machte jungen Herren sexuelle Avancen. Doch, doch, Herr Krömer ist sehr lustig. Vor allem freut man sich, wenn es einen dann doch nicht getroffen hat. Und dass sich Künstler herzhaft in den Bühnenvorhang schnäuzen, das war auch noch nie da. In Berlin sagen sie dazu "Brosche“, behauptete der Theater-Taliban und deutete auf eine beachtliche Menge Rotz, die im Scheinwerferlicht hübsch glitzerte. Das Programm heißt übrigens "Der nackte Wahnsinn“. Und wer bis zum Schluss blieb (eh alle!), kam dann auch noch tatsächlich in den Genuss eines komplett ausgezogenen Künstlers. Den wollen wir wiedersehen!

Einer der unterhaltsamsten Abende des Jahres ist stets der Protestsongcontest, dessen Tickets immer binnen weniger Minuten ausverkauft sind (okay, das ist keine offizielle Statistik, sondern nur unsere ganz persönliche Schätzung). Im pumpvollen Rabenhof traten auch heuer zehn Finalisten an, um die kritische Jury zu überzeugen. Langzeitjuror und FM4-Chefcontroller Martin Blumenau schimpfte diesmal sogar über Songs, ehe diese aufgeführt wurden. Normalerweise wartet die Jury mit ihrer Kritik zumindest, bis die Lieder fertiggespielt sind. Dieses professionelle Granteln der Juroren macht natürlich erst den Charme dieser Veranstaltung aus. Vielleicht war die Jury aber auch deswegen frustriert, weil Backstage der Wein ausging. Es war nämlich kein Scherz, als Moderator Dirk Stermann meinte, dass die Jury nur mit einem Viertel Weißwein bezahlt würde. Mehr Alkohol gab es wirklich nicht. Ach ja, Sie wollen wissen, wer den Protestsongcontest gewonnen hat? Das waren Rotzpipn & Das Simmeringer Faustwatschenorchester, die mit ihrer "Hymne 2.0“ gegen den Rot-weiß-rot-Hurrapatriotismus ansangen. Eine überraschende Juryentscheidung, aber zumindest wurden die Sieger heuer nicht ausgebuht. Ja, auch das gab es schon. Beim Protestsongcontest darf man eben keine Mimose sein.

Beim Opernball übrigens auch nicht, weshalb wir uns auf die Dschungelkönigin Brigitte Nielsen mehr freuen als auf das Topmodel Helena Christensen. Mehr nächste Woche.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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