Tiere

Totaler Glimpf

Falters Zoo | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Ethnische Gruppen mit vereinfachenden Eigenschaften zu beschreiben und mit einem pauschalierenden Artikel zu versehen ist zu Recht nicht mehr zeitgemäß. Wer Sätze von sich gibt wie z.B. "der Afrikaner ist eher gewalttätig“, der disqualifiziert sich selbst. Denn die Stereotypisierung von Menschen beruht nicht auf der Wahrnehmung "natürlicher“ Unterschiede, sondern ist als Folge von Kolonialismus und neuzeitlicher Sklaverei entstanden.

Der Biologe und Begründer des Klassifikationssystems der Pflanzen und Tiere, Carl von Linné, teilte 1735 in der ersten Auflage seiner "Systema Naturae“ die Gattung Homo in die vier Unterarten Homo europaeus albescens (europäischer erbleichender Mensch), H. americanus rubescens (amerikanischer errötender Mensch), H. asiaticus fuscus (asiatischer dunkler Mensch) und H. africanus niger (afrikanischer schwarzer Mensch) ein. Heute kann schon milde zurückgeblickt werden auf die damalige Logik, die Schattierung der Hautfarbe als zentrales Ordnungsprinzip zu verwenden. Denn auch damals war schon klar, dass die Bewertung des Farbtons der Haut eine sehr subjektive Angelegenheit ist.

Umso hellhöriger muss man sein, wenn der Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz im ORF-"Report“ einen Satz wie diesen spendet: "Ich bin draufgekommen, dass es auch faule Asiaten gibt. Das war wirklich eine neue Erfahrung.“

In Asien leben rund vier Milliarden Menschen, was etwa 60 Prozent der Erdbevölkerung entspricht. Einige davon sind also faul - wie auch immer man diese Eigenschaft definiert. Manche von ihnen haben sogar Kraushaar und andere zeigen Augen ohne "Mongolenfalte“. Der Asiat ist eben auch sehr anpassungsfähig.

Ursprünglich wollte ich diesmal über eine Studie des Fachmagazins British Medical Journey berichten. Darin wurde nämlich festgestellt, dass es bereits im Alter von 45 Jahren zu messbaren Einbußen der Auffassungsgabe und des Gedächtnisses kommen kann. Bislang ging man von einem Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit erst ab einem Alter von 60 Jahren aus. Ich hingegen hätte diesen mentalen Abbau bereits in noch früheren Jahren vermutet.

Aber ich halte fest, dass dieser letzte Absatz in keinem Zusammenhang mit der Aussage des Herrn Staatssekretärs steht, denn die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbolfiguren ist nach Paragraf 248 mit Kerker bis zu einem Jahr zu bestrafen.

zeichnung: püribauer.com


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