Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Es gibt genug Zeitungen, die auch ohne Leserinnen und Leser auskommen. Sie wurden in irgendeinem Sitzungszimmer ersonnen, werden "Produkte“ genannt und dienen Zwecken wie Kundenbindung oder Bürgerinformation. Klassische Zeitungen wie der Falter hingegen bedürfen sehr wohl eines lesenden Publikums, und zwar nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch weil sie wichtige Belange des Gemeinwesens verhandeln wollen. Wenn das nicht in wünschenswerter Weise geschieht, schreiben manche Leser Leserbriefe - heutzutage meist via Elektropost, denn wer greift schon noch zu Pelikanfüllfeder und Postkarte, um Zustimmung und Unmut zu artikulieren. Die Redaktion bedarf des Tadels wohl mehr noch als des Lobes, denn es ist nie so gut, dass es nicht noch besser ginge.

So wird etwa auch immer wieder das schlechte, von Umgangs- und Jugendsprache, Wortneuschöpfungen und sogar Wörtern aus Albions neblichten Niederungen verunreinigte Deutsch kritisiert. Zu Recht! Die jungen Menschen wachsen heute mit US-amerikanischem Kino, deutschem Privatfernsehen und der Stummelsprache des Zwischennetzes auf, wen also wundert’s, wenn die reden und schreiben, dass es dem Reichsschrifttumskammerpräsidenten das Heu vom Wagen weht und dessen Vize die Grausbirnen aufsteigen?! Dennoch ist es gewiss das erzieherische Versagen von uns Älteren, wenn wir die Jungen gewähren lassen (oder es ihnen gar gleichtun) und dadurch den obersten Grund aller Erziehung vernachlässigen: zu tadeln, um zu bessern.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige