Meinesgleichen

Abschied vom bejahrtesten Falter-Abonnenten

Falter & Meinung | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Nein, es wird nicht zur Gewohnheit. Aber die Guten werden weniger, vergangene Woche ist wieder einer von ihnen zu Grab getragen worden. Diesmal allerdings einer, dessen Alter es verbot, von einer Überraschung zu sprechen: Der hier im Blatt vergangenen Herbst gewürdigte Maler, Kunstkritiker und Kurator Arnulf Neuwirth. Er wurde hundert Jahre und einen Monat alt, insofern ging sein den Zeitpunkt des Todes betreffender Wunsch in Erfüllung. Seinen hundertsten Geburtstag wollte er erleben und dann noch ein paar Wochen drauflegen, sagte er. Er war bis zuletzt vollkommen klar im Kopf, malte, las Le Monde und den Falter. Er war wohl wenn nicht der älteste, so doch der bejahrteste Abonnent dieses Blattes.

Neuwirth hatte vor dem Krieg in Paris studiert, nach 1945 war er einer derer, welche die Moderne nach Österreich brachten. Dass Hitler ihm zehn Jahre gestohlen hatte, motivierte ihn, etwas länger zu leben. Hitlers Untaten betrachtete er als unverzeihlich und wünschte, dass dies bei der Totenfeier in der Kirche gesagt werde. Prälat Joachim Angerer befolgte diesen Wunsch. Arnulf Neuwirth traf für alles Anweisungen. Für die Parte hatte er den Satz von Leonardo da Vinci vorgesehen: "Ein erfülltes Leben gibt einen sanften Tod.“ Sollte sein Tod nicht sanft sein, sagte er der Malerin und Falter-Autorin Irena Rosc, die ihn beim Sterben begleitete, solle sie den Spruch wieder streichen. Der Spruch blieb, vergangenen Freitag wurde Arnulf Neuwirth in seinem langjährigen Wohnort Kautzen beerdigt.


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