Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Sauwettersurvivalschuhwerk der Welt der Woche

How do you do mit die Gummischuh?

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Wörter mit "-osch“ sind selten in der deutschen Sprache. Der Ungar hat den Fogosch und möglicherweise jede Menge mehr davon; unsereins hat - will er oder sie beim Hochdeutschen bleiben (womit die Gosch’n ausfällt) - nicht viel mehr als den Frosch, die Droschke und die Galosche.

In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts wimmelt es vor Droschken und Galoschen. Heute gelten beide als obsolet, was ein großer Fehler ist, denn wo der Gebrauch einer Droschke nicht ganz zu Unrecht als affig-anachronistische Attitüde gelten muss, da leisten Galoschen ganz hervorragende Dienste im Alltag. Eine Galosche ist, um auch das noch zu klären, so etwas Ähnliches wie eine Gamasche, bloß dass die Gamasche dort anfängt, wo die Galosche aufhört - gemeinsam wird quasi ein Stiefel draus. Wo die Gamasche verhindert, dass Schnee in den Schuh rieselt oder Brombeergestrüpp die zarte Fessel ritzt, da bewahrt die Galosche den Schuh vor Verschmutzung und Durchfeuchtung. Und wo man unter Gamaschenträgern gerne Gämsenquäler und Ganoven findet (man denke an den "Gamaschen-Colombo“ aus "Some Like It Hot“), da sind Galoschenbenutzer rücksichtsvolle und zivilisationsfreudige Zeitgenossen, denn die Gummigalosche, die man sich einfach über die Schuhe streift, schützt nicht nur diese, sondern verhindert auch, dass man Matsch, Dreck und Rollsplitt in die eigene oder fremder Menschen Wohnung schleppt.

Man muss bloß die Galoschen vor der Wohnungstür ausziehen und spart sich damit auch gleich noch die lästigen "Schuhe ausziehen oder anlassen?“-Debatten oder die Unbill, in mit Keimen, Bakterien und Pilzen verseuchte Gästeschlapfen schlüpfen zu müssen. Galoschen gibt’s allerdings nur analog und nicht als App.


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