Eine zu Unrecht vergessene Oper: "Telemaco“ im Theater an der Wien

Feuilleton | Heinz Rögl | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Die Bühne stellt Circes Insel als kreisförmige Scheibe dar, die in die Schräge angehoben werden kann. Darüber spiegelt eine weitere Scheibe das Geschehen von oben. Das ist ein eindrucksvolles, stimmiges Bild, die Bühnentechnik im Theater an der Wien spielt dabei "alle Stückln“.

Bevölkert ist die Scheibe von schwarz gekleideten Nymphen und Soldaten. Die Frauen legen während der Ouvertüre nacheinander Gewehre nieder. Telemach, auf der Insel gestrandet, erinnert sich an den Abschied seines Vaters von Penelope. Die Schauspielerin, die diese verkörpert, ist während des gesamten folgenden Geschehens immer auf der Bühne, obwohl sie eigentlich in Ithaka auf Odysseus wartet.

Nun ja, Circe kann zaubern: Sie lässt Telemach sogar davon träumen, dass seine Mutter getötet wird, damit Odysseus, den sie liebt und mit seinen Kriegern gefangen hält, auf die Heimkehr verzichtet und bei ihr bleibt.

Dieser, im Ledermantel, fuchtelt auch immer wieder gerne mit einer Pistole. Regisseur Torsten Fischer macht manchmal etwas zu viel unnötig überzeichnend-plakatives Stadttheater. Auch der Kronprinz von Kreta, der Telemach begleitet, trägt eine Uniformjacke.

Sängerisch sind die fünf singenden Protagonisten, der Schönberg-Chor und das Orchester unter René Jacobs’ Leitung jedoch hervorragend. Glucks lange zu Unrecht vergessene Oper reicht an Meisterwerke Mozarts heran.

Hier bestechen neben den beiden Titelfiguren auch darstellerisch vor allem die beiden jungen Sängerinnen der Asteria, die Telemach (fast) vergeblich liebt, und des Merione, der sich als ihr Bruder entpuppt.

Weitere Vorstellungen:

am 22., 24., 27. und 29.2. sowie am 2.3. im Theater an der Wien


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