Das allerletzte Einhorn

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Au weia! Eine überwunden geglaubte Frisur kehrt zurück: das gegelte Spitzhaar beim Mann

Bei Tintin sah die Mikrotolle ganz niedlich aus. Auch bei Moritz aus Wilhelm Buschs "Max und Moritz“ ist der Spitz am Oberkopf keck. Aber dass jetzt der Life-Ball-Vorsitzende Gery Keszler mit Einhornfrisur beim Wiener Opernball auftaucht, macht einen stutzig. Denn erstens sollte der Mann Ahnung von Trends und Mode haben. Und, zweitens, könnte das wiederum bedeuten, dass das Einhorn zurückgekehrt ist. Oh nein!

Manche erinnern sich vielleicht noch an den Haarstil aus den späten 1990ern, den vor allem jene Herren bevorzugten, bei denen es aufgrund körperlicher Voraussetzungen sonst nicht mehr viel zu stylen gab. Oder zu gelen. Das Haar war, soweit vorhanden, überall raspelkurz getrimmt, vielleicht noch mit einem hübschen Verlauf vom Nacken und über die Ohren weg. Über der - oft schon ausgesprochen hohen - Stirn blieb ein einsames Büschelchen stehen. Das wurde dann unter Zuhilfenahme von Gel oder Wachs kunstvoll zu einem Spitz geformt. Manche Männer sahen auch nur aus wie der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte.

Und das soll jetzt wirklich wiederkommen? Jedenfalls geht’s wieder in die Höhe, beim Mann. Die Justin-Bieber-Phase ist vorbei; keine Haargardine verdeckt mehr Stirnen. Wer die Haarpracht hat, macht eine Tolle. Na toll. Wer nichts mehr hat (und das Justin-Bieber-Dings deshalb nicht mitmachen konnte), taucht seine Finger trotzdem in die Geldose. Das allerletzte Einhorn sollte auf jeden Fall dabei rausschauen.

Fußballstar David Beckham, der seinen Namen neuerdings H&M-Unterhosen gibt, läuft sicher auch bald damit herum.


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