Menschen

Reich & Föhn

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Wen würde sie als Ehemann wählen, fragte der unbekannte Journalist bei Richard Lugners als Pressekonferenz betitelter Zurschaustellung seines Opernballgastes Brigitte Nielsen. In perfektem Austrian English. "Which one would you choose“, fragte er: Lugner, Lugners Schwiegersohn oder Silvester Stallone? Der Herr sprach dabei choose wie "dschohs“ aus. Frau Nielsen verbesserte ihn höflich und meinte, darüber hinaus verstehe sie die Frage nicht. Gut so. Echt peinlich. Endlich ist da mal ein Gagen- und Logengast, der so was wie Klasse besitzt, und die Leute benehmen sich daneben. Frau Nielsen, würden Sie bei "Dancing Stars“ mitmachen? Hat sie doch schon, im deutschen Fernsehen. Überhaupt kam die Dame mit Hollywood- und RTL-Dschungel-Erfahrung überaus gut an, wie sie da in ihrem roten Rosenkleid durch die Opernballoper spazierte. Wie oft hat sie eigentlich "Lügner“ statt "Lugner“ gesagt? Und wie viel Absicht steckt dahinter? Wer’s weiß, kriegt einen schönen Preis.

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Einen Preis wollen wir auch dem Friseur von Christiane Hörbiger verleihen, der die Schauspielerin zu ihrer kecken wie windigen Opernballfrisur überredete. Vielleicht hat sich Hörbiger die praktische Kurzhaarfrisur ja auch selbst in die Höhe geföhnt. Sie sah jedenfalls so aus, als hätte sie gleich noch einen Auftritt mit ihrer New-Romantic-Band in der Opernballdiskothek. Und ihre ebenfalls schauspielernde Schwester Maresa Hörbiger wurde auch gleich noch mitgeföhnt, wie hübsch. Muss ausgesprochen windig gewesen sein, da oben in Grinzing.

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Eine alte Häsin in Sachen Zuckerwatte statt Frisur ist Birgit Sarata, Honorarkonsulin und stets in charmanter Begleitung des Ottakringer Marmeladenkönigs Hans Staud. Währenddessen Debütantin beim Ball der Bälle war Darling Conchita Wurst, deren Kleid, eine Kreation von Designer Thomas Kirchgrabner, erst kurz vor Alles Walzer fertig wurde. Gerade der Wurst-Auftritt hat gezeigt, dass der Opernball längst ein - vielleicht etwas steifer - Faschingsgschnas geworden ist und schnurstracks Richtung Life Ball geht. Vollbärtige Ladys im Fummel? Wo gibt’s denn so was? Na, in der Staatsoper.

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Frau Wurst, by the way (das müssen Sie sich jetzt wiederum in perfektem Austrian English vorstellen, also eher: "bäh däh wäh“), rührt derzeit die Reklametrommel für sich als mögliche Songcontesse und fürs Stromsparen. In einem Videoclip der Grünen fordert sie ökobewegt dazu auf, Geräte im Haushalt nicht im Standbymodus laufen zu lassen. Wursts Argument: "Ich glühe ja auch nicht den ganzen Tag, wenn mein Mann nicht zu Hause ist.“ Blöderweise will die Sängerin dann aber doch zur Eurovision nach Baku. Fliegen. Wahnsinnig öko. Gar nicht auszudenken, wie Frau Wurst die politischen Missstände in Aserbaidschan aufdeckt, falls wir sie hinfliegen lassen.

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Die Party der Woche war dann aber eh nicht der Opernball. Auch nicht der Rosenball, sorry Miss Candy. Die Party der Woche stieg im Tanzquartier, die Künstlergruppe Gelatin/Gelitin hatte geladen, und die Herren verausgabten sich beim Poledance. Fast ohne Höschen. Wir fordern deshalb ein Stangentanzquartier.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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