Theater t’eig tanzt Dennis Kellys’ "DNA“ als Koproduktion mit dem TaO!

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 08/12 vom 22.02.2012

Die Tücken, derer sich Theater t’eig bisher so angenommen hat, sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Aber sie eignen sich fast alle, um in die anarchistische Ironie eines Videoabends gekleidet zu werden, bei dem sich hochbegabte Jungphilosophen über misslungene Splatter-Movies freuen. An Brutalität mangelt es auch Dennis Kellys’ Jugendstück "DNA“ nicht und trotzdem stellt es einen Bruch im t’eigschen Œuvre dar: Ihre Liebe zu Chaos und Trash konnten Thomas Sobotka & Co diesmal nicht ausleben. Für Kelly ist Gewalt ein Mittel, um der Moral seiner sauber konstruierten Story Nachdruck zu verleihen - und auch den ganz großen Fragen: Wer bist du Mensch? Wo wohnt das Monster in dir? "DNA“ ist das Drama einer Gruppe Jugendlicher, die einen Mitschüler zu Tode mobbt und dann, um abzulenken, einen pädophilen Lustmord fingiert. Doch die Sache entgleitet: Der erdachte Mörder wird wirklich gefasst, und plötzlich lebt auch das Opfer wieder. Die Teens nur einen Ausweg: "The Show must go on ...“ Genau das wird zum Stichwort für Sobotkas Inszenierung: Markus Boxler verwandelt die Tribüne des TaO! in eine Showtreppe, auf der adrett kostümierte Nachwuchsschauspieler das Stück als Chor und in immer wieder neu verteilten Rollen spielen, singen und tanzen - große griechische Tragödie, interpretiert im Stile der 1950er. Durch die gekonnt getimte Umsetzung dieses Konzepts gelingt dem Ensemble ein Abend, der zwar das problemorientierte Jugendtheater nicht neu erfindet, aber zeigt, was Theater mit Jugendlichen (sein) kann: Eine wirklich schöne Sache. F

Theater am Ortweinplatz, Graz, Di 19.00, Do 12.00 und 19.00.


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