Meinesgleichen

Griechischer Hunger und europäischer Zynismus

Falter & Meinung | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Der Autor dieser Seite liebt bekanntlich Kochbücher, was ihn auch dazu verführt hat, selber eines zu schreiben. Deshalb ist er auch mit dem Phänomen der Mangelkochbücher vertraut, die in Kriegs- und Krisenzeiten auftauchen und der darbenden Bevölkerung erklären, wie man aus Holzspänen Brot bäckt und dergleichen Anstiftung zum Selbstbetrug mehr. Nun liest man, dass in Griechenland ein derartiges Buch zum Bestseller wurde. Es heißt "Hungerrezepte“, geschrieben hat es die Historikerin Eleni Nikolaidou. Der deutsche Journalist Kai Strittmatter berichtet: "Und wenn sie auch noch nicht die Mehrheit im Griff haben - Armut und Hunger sind zurück und sichtbar. Das schockiert viele Griechen. Die Armenspeisung, zu der sich mit einem Mal auch Leute einreihen, die der Nachbar, der Freund sein könnten.

Die Studenten und Rentner, die den Müll beim Wochenmarkt nach Essbarem durchsuchen. Die Kinder, die Eleni Nikolaidou selbst jeden Tag sieht. Sie ist Lehrerin für Geschichte an einem Gymnasium., Mehr und mehr meiner Schüler werden vor meinen Augen ohnmächtig vor Hunger‘, erzählt sie.“ Dazu stelle man die Information, dass im letzten Jahr griechische Abgeordnete Millionenvermögen in die Schweiz transferiert haben. Und jenen Satz, den der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker aus seiner Steueroase äußerte: "Griechenland hat nicht genug geliefert.“ Vielleicht sollte man sich in Europa bequemen, zu sagen, welches Griechenland man meint.

Quellen:

Kai Strittmatter, "Weder Fisch noch Fleisch“, SZ, 23.2.

 "Griechische Abgeordnete überweisen Privatvermögen ins Ausland“, FAZ, 27.2.

"Euro-Retter bestrafen Griechenland“, Financial Times Deutschland, 14.2.


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