Kommentar  

Selbstermächtigung am Aschermittwoch

Die verfolgende Unschuld


Klaus Nüchtern
Falter & Meinung | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Um H.-C. Strache musste man zuletzt doch ernsthaft in Sorge sein. Angesichts des Pogroms um den Wiener Korporationsball, dem sich Straches Gesinnungsgemeinschaft Ende Jänner ausgesetzt sah, schien der Führer der Freiheitlichen seinen denunziatorischen Elan, für den er hierzulande bekannt und beliebt ist, vollkommen eingebüßt zu haben und zu einem Zerrbild seiner selbst zusammengeschrumpft zu sein. Würde er sich je wieder zu alten Höhen der Niedertracht aufschwingen können?

Wer immer Strache schon abgeschrieben hatte, wurde eines Besseren belehrt. Kaum war der Fasching zu Ende, bewies Strache im Rahmen seiner Aschermittwochsrede in Ried im Innkreis auf eindrucksvolle Weise, dass das alte Feuer noch in ihm lodert. Selbst für Strache-Freunde dürfte es überraschend gekommen sein, wie flott und lässig sich dieser mit ein paar krachledernen Herrenwitzen und patzigen Flegeleien, die hier nicht wiederholt werden sollen, aus dem Trauma seiner persönlichen "Reichskristallnacht“ zu befreien wusste.

"Man muss den Typus des Verfolgers im Auge behalten, nicht die Art der Parteiungen“, schreibt Ernst Jünger. Wo die Rechten Recht haben, haben sie Recht. Insofern ist es auch völlig wurscht, ob Strache ein Nazi ist oder nur fünf Bier fürs Sägewerk bestellen wollte. Man braucht sich nicht weiters darum zu bemühen, ihm irgendeine am Verfassungsbogen kratzende Gesinnung nachzuweisen. Es genügt, ihn als den respektlosen Rotzbuben zur Kenntnis zu nehmen, der er ist. MC H.-C. und DJ Kickl (Lyrics und kulturelles Umfeld) versuchen hysterisch, sich als eine Art Trackshittaz der österreichischen Innenpolitik zu etablieren. Vielleicht herrscht in Baku ja noch Nachfrage.


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