Am Apparat  

Gibt es einen zweiten Kampusch-Entführer, Herr Jarosch?

Telefonkolumne


Anruf: Florian Klenk
Politik | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Der Fall Kampusch findet kein Ende. Nun rätselt sogar der Spiegel über einen "zweiten Mann“. Es gebe Zweifel, ob Entführer Wolfgang Priklopil Selbstmord begangen habe, so das Blatt. Eine "umfassende Obduktion“ sei nicht durchgeführt worden, ein Zeuge, der den Toten fand, nie befragt worden. Dem Falter liegt das (entlastende) Zeugenprotokoll des Zugführers vor. Das gerichtsmedizinische Institut bestätigt eine Obduktion. Staatsanwalt Gerhard Jarosch versteht die Kritik daher nicht.

Herr Staatsanwalt Jarosch, der Spiegel schreibt, Priklopils Leichnam sei nie obduziert worden. Stimmt das?

Das ist nachweislich falsch. Der unabhängige U-Richter Michael Tolstiuk gab den Auftrag, dass Priklopil am Institut für Gerichtsmedizin obduziert wird. Das ist auch durch Dr. Daniele Risser geschehen. Es gab keinen Hinweis auf Mord.

Der Spiegel schreibt weiters, der Bahnangestellte, der Priklopil fand, sei nie befragt worden.

Die Polizei hat den Zuglenker, der Priklopils Selbstmord beobachtet hatte, am 23. August 2006 eingehend befragt. Er schilderte, wie sich eine Gestalt zum Bahndamm bewegte und dann den Kopf auf die Schienen legte. Die Aussagen passen genau zu den Spuren, die wir am Bahndamm vorfanden. Der Leichnam war eben deshalb nicht zerfetzt, weil Priklopil sich nicht vor den Zug warf, sondern seinen Kopf aufs Gleis legte.

Wurde nun jener Bahnangestellte befragt, der die Leiche fand?

Nein, denn anders als der Lenker des Zuges hat der Schaffner den Selbstmord nicht gesehen. Im Übrigen wurde Priklopils Freund Ernst H., der als Mittäter genannt wird, sogar vom Vorwurf der Beihilfe zum Selbstmord von einem unabhängigen Gericht freigesprochen.

Warum verebben die Spekulationen nie?

Vermutlich wollen sich einige Politiker wichtigmachen. Ich weiß jedenfalls nicht, was wir noch ermitteln sollen.


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