Enthusiasmuskolumne  

Ich glaub’, mich knutscht ein Kockenlocker!

Diesmal: der lustigste Nebendarsteller der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Zwei Dutzend Oscars werden alljährlich vergeben, für exakt vier interessiert man sich wirklich. Und auch das nur für kurze Zeit. Sollte man sich in 70 Jahren noch an Octavia Spencer und Christopher Plummer erinnern, so gewiss nicht deswegen, weil sie 2012 als beste Nebendarsteller ausgezeichnet wurden.

William Demarest kennt man auch heute noch, denn der 1892 in Minnesota zur Welt gekommene Schauspieler ist eine nachgerade unerschöpfliche Quelle der Erheiterung. Als 1927 "The Jazz Singer“ die Tonfilmrevolution einläutete - das Jahr, in dem auch der große Oscar-Abräumer 2012, "The Artist“, einsetzt - hatte Demarest darin einen kleinen Auftritt. 19 Jahre später wurde er für "The Jolson Story“, einem Film über den Hauptdarsteller aus "The Jazz Singer“, als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert, den dann Harold Russell für "The Best Years of Our Lives“ einsackte.

Dass der bis in die 70er-Jahre aktive und 1983 im Alter von 91 Jahre verstorbene Demarest den Oscar nie bekommen hat, ändert nichts daran, dass er bis heute der vielleicht komischste Nebendarsteller Hollywoods ist. Unter der Regie von Preston Sturges sorgte er in Rollen mit so grandios und adäquat bescheuerten Namen wie Muggsy Murgatroyd, Sergeant Heppelfinger oder Constable Kockenlocker buchstäblich im Hintergrund für Sternsekunden der Komik, die Dutzende von Oscar-Performances überstrahlen. In der Rolle des ewig argwöhnischen, aber loyalen Grantlers nutzte Demarest seine Nussknackerphysiognomie, um mit minimalem Aufwand - now there’s a guy to raise a suspiscious eyebrow! - maximale Wirkung zu erzielen. Im Rahmen der Sturges-Retrospektive im Filmmuseum ist Demarest bis zum 7. März noch in einigen der lustigsten Filmen aller Zeiten zu sehen. Go for it!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige