Ich glaub, mein Sparschwein pfeift: PeterLichts Molière-Remix "Der Geizige“ im Schauspielhaus

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | Feuilleton | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Die Molière-Komödie "Der Geizige“ (1668) handelt von Geld und Liebe. Der geizige Harpagon will dem Sohn die junge Braut wegschnappen und ihn stattdessen mit einer reichen Witwe verheiraten; auch die Tochter soll möglichst kostengünstig unter die Haube gebracht werden.

In der Neuversion (2010) der Komödie durch den Kölner Popmusiker und Autor PeterLicht ist Liebe kein Thema mehr. Das ist nur konsequent: Hinter der konventionellen Paardramaturgie drehte sich ja schon bei Molière alles nur ums Geld.

Während der Witz im Original nicht selten darin besteht, dass die Figuren aneinander vorbeireden, halten sie bei Licht entweder ausufernde Monologe oder kommunizieren in verstümmelten Sätzen, denen wesentliche Teile wie Substantiv oder Verb fehlen. Aber egal, hört eh keiner zu. "Ein Familiengemälde“ heißt das Stück im Untertitel, und hätten wir es tatsächlich mit einem Bild zu tun, dann wär’s ein Comic.

Regisseur Bastian Kraft pfercht das grell geschminkte Ensemble im Schauspielhaus auf engstem Raum zusammen und drückt aufs Tempo. Ergebnis ist eine hysterische Hochgeschwindigkeitskomödie, deren Geist und Energie an die Dramen von René Pollesch erinnern, die sprachlich und witztechnisch aber eigene Wege geht.

Harpagon (Johannes Zeiler) referiert über Wohl und Wehe des Recyclings; Sohn Cléante (Vincent Glander) erwägt eine Karriere als afrikanisches Patenkind; Valère (Max Mayer) kauft sich eine Hose, die man nicht waschen darf; und Onkel/Tante Jakob (Katja Jung) bekämpft ihre Rückenschmerzen dadurch, dass sie jedem Wirbel mit kindischen Kosenamen schmeichelt. "In der Kommunikation mit seinen Wirbeln ist so was wie Stolz echt fehl am Platz.“

Zwei Stunden sind zwar eindeutig zu viel des Guten. Aber gut ist er, dieser neue "Geizige“.

Nächste Vorstellungen: 1., 2., 27. und 28.3.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige