Ohne Ansehen der Person

Essay: Joachim Schätz | Feuilleton | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Weil sogar "The Iron Lady“ Gefühle zeigte, gewann Meryl Streep einen Oscar: Das Biopic als Weltanschauung

Margaret Thatchers Kabinett ist besorgt: Ihre wirtschaftsliberale Politik sei zu unsozial, ihre Maßnahmen müssten abgefedert werden. Da hält die Premierministerin den kompromisslerischen Tories eine Standpauke. Sie würden von Schuldgefühlen geplagt, weil ihnen selbst alles in die Wiege gelegt worden wäre. Die Greißlerstochter aus Grantham an der Regierungsspitze hingegen weiß: Wer will, schafft es aus eigener Kraft nach oben.

So jedenfalls malt "The Iron Lady“ aus, was während Thatchers radikaler Reformprogramme der 1980er-Jahre hinter verschlossenen Bürotüren vorgegangen sein mag. Seitdem das biografische Drama über Großbritanniens legendär-umstrittene Premierministerin Anfang des Jahres in den britischen Kinos anlief, haben Beobachter aller politischer Couleur dessen politische Einfalt bekrittelt. Um das festzustellen, hätte schon ein Blick ins Presseheft gereicht,

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