Stadtrand 

Stickerirrsinn: vom Kleben gezeichnet

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Die großen Supermarktketten haben dem Wahnsinn den Rest gegeben. Seit Merkur, Spar und Co das Verschenken von Sammelaufklebern mit Fischen, Fossilien oder Fröschen drauf an einen Einkauf über bestimmte Summen binden, ist das Land strikt stickerverrückt. Fußballer waren gestern, jetzt pickt’s.

Bei der Post bekommt man gerade "legendäre Automobile“, die Organisation Kirche in Not startete kürzlich ein Stickeralbum mit Bibelbildchen ("damit der Glaube klebt“). Und Billa bringt, ganz volksbildnerisch, Pickerln mit österreichischen Wahrzeichen unter die Klebenden. Demnächst kommen womöglich Schrauben oder Kopfsteinpflaster dran. "Türklinken der Welt“ wäre auch ein hübsches Stickeralbumthema.

Was ist so faszinierend daran, mit buchhalterischer Akribie bunte Bildchen in dafür vorgesehene Hefte an dafür vorgesehene Stellen zu kleben? Womöglich ist es ein menschliches Grundbedürfnis. Früher klebte man halt Briefmarken auf Briefe und Pril-Blumen an Küchenfliesen. In Zeiten von Elektropost und Geschirrspüler pickt der Mensch eben anders.


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