Sie wollen ja bloß stehen

Stadtleben | Essay: Sibylle Hamann | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

670.000 Wiener Autos brauchen Platz. Nicht nur, wenn sie fahren, sondern auch, wenn sie parken. Notizen aus einer urbanen Problemzone

4,8 Meter in der Länge, 2,3 Meter in der Breite, das ergibt etwa elf Quadratmeter. In Wiener Innenstadtlage wären elf Quadratmeter viel Geld wert, insbesondere, wenn man ein fünfstöckiges Haus draufstellen kann. Lässt man die elf Quadratmeter allerdings unverbaut, markiert sie mit einem Pinselstrich und stellt ein Auto drauf, sind sie zum Diskontpreis leistbar. Miete, mit Parkpickerl: 10 Euro im Monat, 120 im Jahr.

Würde man auf derselben öffentlichen Fläche statt eines Autos einen Kleiderkasten, einen Kaninchenstall oder ein Kunstwerk abstellen, käme das wesentlich teurer und bedürfte eines weitaus mühsameren Genehmigungsverfahrens. Autos sind allerdings, was die Platzverteilung im öffentlichen Raum betrifft, privilegiert.

670.000 Autos sind in Wien angemeldet. Wenn sie fahren, brauchen sie Fahrbahnen, Abbiegespuren, Überholspuren, Platz für Ampeln,


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