Menschen

Popolistisch

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Tex Rubinowitz, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 09/12 vom 29.02.2012

Jemand sollte Robert Kratky einmal beiseite nehmen und ihm sagen, dass er sich mit seiner penetranten Schrillheit zum Horst With no Name macht. Wohl zu seinem Selbstschutz bekam er deshalb bei "Österreich rockt den Songcontest“ vergangenen Freitag die moderaten und eloquenten Kollegen Mirjam Weichselbraun und Andi Knoll zur Seite gestellt, sonst wäre er vermutlich implodiert wie eine Knallgaszelle. Der Wettbewerb war eigentlich schon vor der eigentlichen Ausscheidung entschieden, weder die zombiehaften Auslaufmodelle Papermoon noch Norbert Schneider (ein Name wie ein Eiskunstlaufrichter!), der immer nach einem ominösen "Dakter Dakter“ rief "to medicate my blues away“, hatten den Hauch einer Chance gegen die dumpf dampfenden Trackshittaz Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner ("Woki mit deim Popo“) und die smarte Conchita Wurst. Die bärtige Fummeltranse hätte so perfekt nach Aserbaidschan gepasst, einem postsowjetischen, schiitischen Land, so viele Brüche des Irrsinns, dass Susan Sontag mit ihrer Definition von camp ihre Freude gehabt hätte. Gewonnen haben bekanntlich die Trackies, unter anderem mit einer Zeile, die auch vom Nestor des absurden Theaters, Eugène Ionesco, stammen könnte: "Dei Popo hot Gefühle, dei Popo is a Teil von dir, setz erm ned auf de Stühle, dei Popo hot a Meinung yeah“. Von daher passt ja wieder alles wunderprächtig zusammen.

Die zweitschönste Liedzeile der Welt der Woche stammt übrigens von der Band Das Trojanische Pferd. Da singt Frontmann Hubert Weinheimer: "Ich fress mich fett und kotz mich mager. Ich singe superdepri Schlager.“ Manchmal muss man sich eben in Selbstmitleid wälzen. Oder zur Ablenkung auf gute Albumpräsentationen gehen, wie eben jene vom Trojanischen Pferd. In der Roten Bar, wo jetzt jeden Monat Wiener Musiker spielen, trat Weinheimer mit Duopartner und Cellist Hans Wagner auf, dazu ganz viele Gastmusiker. Sehr schön war diese Mischung aus Blasmusik, Streichern, Saiteninstrumenten und schwermütigen Texten. Nur eines hätte Herr Weinheimer nicht machen sollen: Die ganze Zeit betonen, dass er überhaupt nicht Klavier spielen könne und eigentlich schwarze Punkte auf den Tasten brauche, damit er wisse, wo er hingreifen müsse. Peinlich. Noch dazu, wenn man bei der Pferdemusik gar nicht so viele Tasten treffen muss. Das nächste Mal lieber so machen wie alle anderen auch: Einfach nichts anmerken lassen, wenn einen die Situation gerade überfordert!

Wenn schon nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dass man der Sohn von zum Beispiel André Heller ist, dann muss man’s halt dazuschreiben. So wie bei Ferdinand Sarnitz. Der nennt sich als Musiker Left Boy, ist im schönen New Yorker Stadtteil Brooklyn zu Hause und macht so Sachen wie Lana-Del-Rey-Nummern remixen und so. Diesen Freitag gibt Left Boy sein weltweit erstes Konzert. Nein, nicht in New York, sondern in Wien. Im Wuk.

Wie sprengt man einen Präsidenten? Das ist so eine typische Frage, der die Science Busters nachgehen. Ohne sich dabei terrorverdächtig zu machen, aber mit großem wissenschaftlichem Ehrgeiz. Heinz Oberhummer (Univ.-Prof.), Werner Gruber (Univ.-Lektor) und Martin Puntigam (Unterhaltungskünstler) bustern schon seit geraumer Zeit nicht nur im Rabenhof-Theater, sondern auch im Fernsehen. In der "Donnerstagnacht“ erklärt das Trio dann auch, wie ein Superjoghurt die Welt rettet. Wissen wir doch schon längst: mit dem Popo wokin!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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