Seinesgleichen geschieht  

Natascha Kampusch, Beute des unersättlichen Biests

Der Kommentar des Chefredakteurs

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Egal, ob wir uns um Bedeutendes oder um Unbedeutendes streiten: Den richtigen Ton treffen wir nie. Nehmen wir die Debatte im ORF zur Affäre Kampusch. Im Trompetenton einer beleidigten Elefantin setzte eine FPÖ-Mandatarin, assistiert von einem gekränkten Hofrat, eine Verdächtigung nach der anderen in die Fernsehöffentlichkeit. Es klang wie ein Schrei nach Gerechtigkeit, handelte sich aber um eine schreiende Ungerechtigkeit.

Der freundliche Psychiater Haller sagte aus der Distanz des Vorarlberger Studios, Natascha Kampusch hätte sich so verhalten sollen wie die Familie Fritzl, welche mit allen behördlichen Mitteln die Medien von sich abschirmte. Keiner in der wohlinformierten TV-Runde war geistesgegenwärtig genug, darauf hinzuweisen, dass das Verhalten der Behörden und der Berater der Fritzl-Opfer 2008 gerade erst auf 2006 gemachte Erfahrungen mit dem Fall Kampusch zurückzuführen gewesen war.

Der Fall Kampusch hatte gezeigt, dass Nachgiebigkeit gegenüber den Bedürfnissen der Medien


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