Die verlorene Ehre der Natascha K.


Bericht: Florian Klenk
Politik | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Zwei ehemalige Höchstgerichtspräsidenten bezichtigen Natascha Kampusch der Lüge. Es geht nicht nur um den Ruf von Unschuldigen und Opfern, sondern auch um das Ressentiment gegen eine moderne Strafjustiz, die missbrauchte Frauen nicht erneut traumatisieren will

Im Café Rathaus sitzt ein höflicher älterer Herr. Es ist Johann Rzeszut, der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes. Die Kollegen im Justizpalast schätzten den konservativen Richter. Rzeszut, so erzählen sie, sei ein integrer und humorvoller Mann. Er konnte so launige Reden halten, dass sich die Hofräte vor Lachen die Bäuche hielten.

Heute ist allen das Lachen vergangen. Der ehemalige OGH-Präsident behauptet nämlich, da draußen laufe noch ein Entführer von Natascha Kampusch herum: Ernst Holzapfel, der einzige Freund von Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil. Er müsse als Mittäter angeklagt und verurteilt werden. Jene drei Staatsanwälte, die Rzeszuts Anschuldigungen als völlig unbeweisbar verwarfen, hätten

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