Abschied vom Dogma

Politik | Porträt: Birgit Wittstock | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Valerie kämpft seit Jahren gegen die Sucht. Längst hat die Medizin erkannt, dass sie nicht kriminell, sondern chronisch krank ist. Über die stillen Erfolge der Wiener Drogenpolitik

Beinahe wäre Valerie gestorben, alleine, am Klo. So, wie es vielen Suchtkranken passiert. Bei einem Rückfall habe sie sich "aus lauter Gier“ eine Überdosis ihres Substitutionsmittels gespritzt. Sie hatte Glück, sie kam wieder zu sich.

Eingetrocknete gelbe Reiskörner und ein paar Erbsen. Das war das Erste, was Valerie sah, als sie ihre Augen wieder öffnen konnte. Das China-Curry vom Zustellservice klebte noch an ihren Zehen. Es war drei Tage alt. Solange war sie weggetreten gewesen.

Ihr Kopf habe gedröhnt, als wäre er mit einem Hammer bearbeitet worden, sagt Valerie. Mit der Stirn an die Toilettentür gelehnt, ihr nacktes Gesäß bis auf den Boden der Kloschüssel gesunken, so sei sie dagesessen. Im linken Unterarm steckte noch die Kanüle; das Blut war braun und geronnen.

In Wirklichkeit heißt Valerie


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