Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

So eine Sau, dieser Wladimir! Zu diesem Urteil kam, wer die Berichterstattung über die russischen Präsidentschaftswahlen am letzten Sonntag verfolgte. Das gehobene Bildungsfernsehen von Arte und Eins Extra überbot sich darin, den Kandidaten Wladimir Putin als skrupellosen Unsympathler darzustellen. Man sah ihn als Eishockeyspieler die Rituale eines steinzeitlichen Machos ausüben. Er demütigt seine Widersacher wie ein Kulak seine Knechte. Dem Bösewicht gegenüber standen herzerweichende Bilder von Demonstranten und Regimegegnern, die ihr Leben für die Freiheit aufs Spiel setzen.

Eine ähnliche Einseitigkeit prägte die Berichte über Silvio Berlusconi. Bis heute haben wir ach so aufgeklärten Mitteleuropäer nicht verstanden, warum die Italiener ihren Wladimir wählten, und zwar immer wieder. Bevor Putin 2018 wieder als Präsidentschaftskandidat antritt, sollten wir Arte-Kassetten über Nowosibirsk abwerfen.


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