Enthusiasmuskolumne  

Die Sexpistolen aus Großenkneten

Diesmal: das beste Livealbum der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Trio, die deutsche 80er-Band um Stephan Remmler, ist aus einem einzigen Grund weltbekannt: "Da, da, da“. Remmler, der das Lied geschrieben hat, lebt bis heute sehr gut davon. "Da, da, da“ war allerdings auch der Anfang vom Ende von Trio, denn der Erfolg brachte die Band schnell auseinander.

Da war freilich noch etwas anderes: das von einer Hardcore-Fangemeinde bis heute innig verehrte Frühwerk. In der Tat stellen das erste Studioalbum "Trio“ und noch mehr das kurz darauf veröffentlichte "Live im Frühjahr 82“ eine Sternstunde der Rock-’n’-Roll-Unterhaltung dar, die in der deutschsprachigen Popmusik bis heute unerreicht ist. Wenn man bedenkt, dass die Sex Pistols im Prinzip einfach eine Rockband waren, und dann die Energie spürt, die Trio-Gitarrist Kralle Krawinkel und Trommler Peter Behrens in monoton-forschen Krachern wie "Sunday You Need Love Monday Be Alone“ oder "Ja, ja, ja“ erzeugten, dann waren Trio die deutsche Entsprechung zu den Pistols. Nur lustiger.

Mit Remmler, der sich zuvor als Schlagersänger und Lehrer versucht hatte, verfügten Trio über einen knochentrockenen Spitzenentertainer. Oftmals im Dialog mit Behrens und fast immer auf dessen Kosten, erzählte er auf der Bühne kleine Schwänke. Die gerade zum 30-Jahr-Jubiläum veröffentlichte DVD "... und dann kannst du mich von vorne sehen“ belegt: Was improvisiert wirkte, wurde von Trio jeden Abend in der gleichen Manier abgespult.

Die drei hatten sich, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen, ein Jahr in einem Haus in der norddeutschen Kleinstadt Großenkneten eingeschlossen und von der Musik bis zum Auftreten alles minutiös geplant. Dean "How long have I been on?“ Martin hat ja auch jeden Abend dieselben Witze gerissen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige