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Bitte Kompetenz beweisen!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Diese Woche könnte man auf einen Sprung im Grazer Stadtplanungsamt vorbeischauen. Und dort noch bis zum 12. März in jene Unterlagen Einsicht nehmen, die darlegen, was die Stadt mit den Reininghaus-Gründen im Westen der Stadt vorhat. Im Juni sollen nämlich die Bürger darüber befragt werden, ob die Stadt das 54-Hektar-Areal einer Investorengruppe abkaufen soll. Hat ganz schön viele Seiten, dieser "Entwicklungsschwerpunkt Reininghaus“. Und um den Schwerpunkt noch besser zu verstehen, sollte man dort auch gleich einen Blick in das Grazer Stadtentwicklungskonzept werfen, ebenfalls ein ansehnliches Konvolut.

Direkte Demokratie, super! Ist jetzt gerade ziemlich angesagt. Im Falle der Reininghaus-Gründe geht es um kolportierte 70 bis 80 Millionen Euro, die die Stadt lockermachen müsste. Angesichts einer so beachtlichen Summe fragt man halt lieber die Bürger. Man braucht es wohl nicht zu erwähnen, aber: Stadtentwicklung ist eine höchst komplizierte Angelegenheit.

Gewiss wäre es schön, würde die Stadt aus dem Areal einen neuen, lebendigen und lebenswerten Stadtteil entwickeln. Gewerbegebiete sind ja so eine reizlose Angelegenheit. Aber warum will uns die Stadt fragen, ob sie das tun soll? Weil sie nicht weiß, ob so ein Vorhaben auch aufgeht? Tut uns leid, wir wissen es auch nicht. Vielleicht wäre es sinnvoller, dieses Geld in Bestehendes zu investieren, die Stadt zu "verdichten“, wie es im Jargon heißt, und nicht wieder die grüne Wiese zuzubauen. Schwer zu sagen. Aber genau deshalb sollten die Stadtverantwortlichen kein Ja-oder-nein-Spielchen machen, sondern ihre Entscheidungskompetenz unter Beweis stellen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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