Tiere

Denk Positiv

Falters Zoo | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Peter Iwaniewicz po-sitioniert sich als Spaßbremse

Seitdem Österreich einen Po-Wackler-Song zum Eurovisionscontest entsendet, bin ich sensibilisiert für Hinterngründiges. Ein bisschen analfixierter Humor kommt bei den Lesern immer gut an, und an diesem Spaßkuchen will ich auch mitnaschen (passt diese Metapher in diesem Zusammenhang?). Und los geht’s: Das Wall Street Journal titelte "Drivers Rear End“, ORF textete "Po-Sensor“, und selbst die sonst knochentrockene Wiener Zeitung ließ sich zu einer duftigen Überschrift hinreißen: "Zeig mir deinen Hintern, dann darfst du einsteigen“.

Was war der Grund für diese pubertäre Aufgeregtheit? Ein japanisches Forschungsteam hatte eine Sitzmatte entwickelt, die über Sensoren biometrisch unverkennbare Daten zu dem darauf Sitzenden erfasst. Die eindeutige Identifizierung eines Menschen ist nämlich noch immer keine so einfache Angelegenheit. Fingerabdrücke müssen immer sauber eingescannt werden und reagieren schlecht bei Verschmutzungen und Verletzungen der Haut. Die anfängliche Freude über Laptops mit Fingerprint-Erkennung lässt bekanntlich im Alltag schnell nach. Aber auch die in Hollywood-Filmen gern gezeigte Identifikation durch Iris-Scanner funktioniert in der Praxis nicht problemlos: Kontaktlinsen und stressbedingte Veränderungen von Pupille und Regenbogenhaut beeinträchtigen die Ergebnisse. Noch dazu ist die Technik - auch aus Sicherheitsgründen - aufwendig und damit teuer.

In der Kriminologie setzt man neuerdings bei der Spurensicherung auf die bei jedem Menschen einzigartige Form der Ohrmuschel. In Großbritannien konnte man dank einer solchen Datei immer wieder Täter ausforschen, deren Ohrabdruck an Türen und Fenstern zu finden war.

Doch all diese Erkennungssysteme sind für die Praxis zu langwierig oder technisch zu komplex, um im Alltag eingesetzt zu werden. Insofern war die Entwicklung eines simplen Sitzbezugs mit Sensoren und einem Rechenalgorithmus zur eindeutigen Bestimmung der Identität eine smarte Idee. In einem Auto "eingesetzt“, erspart man sich jede Schistelei und kann bei unauthorisierter Benutzung z.B. den Motor des Wagens blockieren. Egal, die Redakteure wollen Spaß: "Keine Verarschung: Sensor erkennt Füdli“, schrieb dazu eine Schweizer Gewerkschaftszeitung, was meinen Sprachschatz zumindest um eine schöne alemannische Bezeichnung für Hinterteil erweitert.

zeichnung: püribauer.com


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