Kritiken

Ein Bankiersdrama als öde Komödie

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Nach den tollen Nestroy- und Horváth-Inszenierungen war in der Josefstadt jetzt wohl wieder einmal Ödnis fällig. "John Gabriel Borkman“, angeblich Ibsens Auseinandersetzung mit Nietzsches Übermenschenkonzept, ist ein sehr schlicht gebautes Drama um einen Bankrotteur im großen Stil, seine Frau und Schwägerin, die alle drei um Sohn Erhart streiten, der aber lieber mit einer älteren Frau und einer jungen Gespielin nach Italien abhaut, statt daheim den Familiennamen reinzuwaschen. Jedenfalls ist es keine Komödie, selbst wenn man Ibsen einen ironischen Zugang unterstellt. Regisseur Elmar Goerden hat da offenbar etwas missverstanden, und so kaspern Helmuth Lohner, Nicole Heesters und Andrea Jonasson mit wenig Ambition über eine trostlose grau-schwarze Bühne dem lächerlichen Untergang Borkmans entgegen.

Theater in der Josefstadt, Di, Mi, Do 19.30


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