Claudia Kluèariæ trifft im Stadtmuseum auf Friederike Mayröcker

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Einen Schutzraum stellt man sich anders vor: betonierter vor allem. Dient er als Unterschlupf poetischer Erfindung, als Zone, in der sich die Gedanken zu eigenständig lebensfähigen Gebilden auswachsen können, reicht eine Wand aus Schneeflocken und ein papierener Kokon, um einer sicherheitstechnisch fragwürdigen Welt abhanden zu kommen. Dann kann das Alltagsgefüge am Dichterherz rütteln, ohne die Romantik von Selbsterfahrung, Erinnerungen an die Kindheit und ursprünglichem Naturverständnis zu stören. Eine installative Anordnung in Claudia Kluèariæs Beitrag zur vierten Ausgabe der Reihe "Passagen“, einer Kooperation von Stadtmuseum und Akademie Graz, macht das deutlich. Entsprechend dem Reihenkonzept trifft die Bildhauerin dort auf eine literarische Position - auf Friederike Mayröcker. Und das Ergebnis ist ein kongeniales, arbeiten doch beide Künstlerinnen in einem Graubereich, zwischen den Logiken von Bild und Sprache: Als präzise Zeichnerin und Installationskünstlerin, die ihre allegorisch lesbaren Bilder mit Sätzen ergänzt und also metaphorisch abheben lässt oder als Literatin, die ihre Texte aus Beobachtungen und Sprachbildern gewinnt, die von sich sagt: "Ich mache die Bilder zu Sprache, indem ich ganz hineinsteige in das Bild. Ich steige solange hinein, bis es Sprache wird.“ So gewinnt in beiden Fällen das Bewusstsein Raum. Wie in einem Flug, der sich kein Ziel vorgibt. Wem hier Engelsflügel wachsen, bietet die Werkstadt Graz eine zweite Anflugstelle und ergänzt die Schau im Stadtmuseum mit weiteren Zeichnungen von Kluèariæ.

Stadtmuseum, Graz, bis 29.4.; Werkstadt Graz, bis 31. 3.


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