Wohin mit meinem Zorn?

Extra | Stephanie Lehner, Anna Schiester, Raffael Fritz und Thomas Askan Vierich | aus FALTER 10/12 vom 07.03.2012

Manche Sachen sind echt zum Aus-der-Haut-Fahren. Vor allem im Straßenverkehr, wie wir festgestellt haben. Und an der Uni. Jeder geht anders mit seinem Zorn um. Vier persönliche Fallbeispiele.

Ein SUV bleibt quer auf dem Radweg stehen. Ich hau‘ ihm beim Ausweichen mit der flachen Hand aufs Dach. Daraufhin haut mir der Fahrer die Brille kaputt und rast davon. Alles klar: Nötigung und Fahrerflucht in Tateinheit. Ich verklage ihn. Einen Zeugen habe ich auch. Vor Gericht muss ich mich aber wegen Beschädigung des Autos verantworten. Am Ende kommt es zu einem "Vergleich“. Niemand bezahlt meine Brille, nur meine Anwaltskosten bekomme ich zurück. Da war ich erst richtig zornig.

"Ich hasse die Uni Wien. Alle! Ah!” wütete ich im Skype-Chat mit einem Freund in Hannover. Obwohl ich diesen Herbst mit nur 160 Kollegen ein "Orchideenfach“ (Orientalistik) erstbelegte, war auch ich von der STEOP betroffen. "Wenn du zweimal durchfällst, bist du für Orientalistik lebenslang gesperrt!“ Ich glaube ich habe die STEOP nur geschafft, weil ich meine Prüfungsangst via Skype rausgeschrien habe.

Ein Abenteuer für Landeier: Mit dem Auto nach Wien. Alles lief nach Plan, doch dann: am zweiten Tag abgeschleppt. Macht 280 Euro. Mit dem Autoradio haben wir unseren Zorn abreagiert: laut aufgedreht und losgewütet. Der Herr am Abschlepphof kann ja nix für unsere Parkunfähigkeit.

Ich wär so gern ein Fahrradrowdy. Doch wenn Hofratswitwen ihre Möpse auf mich hetzen, weil ich zwei Meter neben ihnen auf dem Radweg vorbei fahre oder Audi-Fahrer mich nur als bewegliches Ziel wahrnehmen, denke ich bloß: Scheiß drauf. Sonst werden im Verkehr alle zu Cholerikern - doch sitze ich im Sattel, werde ich zum Zen-Meister.

Wenn ein Fahrrad umfällt und niemand ist dabei, macht es dann ein Geräusch?


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