Versuch, ins Weite zu kommen

Literatur | Karl Wagner | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Einnehmend: Thomas Stangl zieht in seinem Essay- und Redenband "Reisen und Gespenster“ alle Register

Gesammelte Texte, die "bei Gelegenheit“ entstanden sind, werden oft als Verlegenheit betrachtet und entsprechend von oben herab behandelt. Thomas Stangls erste Sammlung dieser Art hat das jedenfalls nicht verdient. Sie gibt einen guten Überblick, was diesen Autor seit seinen Anfängen umtreibt, was für eine Schreibarbeit dem ersten Roman "Der einzige Ort“ voranging und dann nicht mehr aufhörte.

Es soll durchaus nicht gegen die anderen Texte des Bandes sprechen, aber ich halte seinen allerersten Text von 1994, einen Reisebericht über das Mexiko des Antonin Artaud ("Reisen im Gebirge der Zeichen“) für den besten. Dieser "Reiseform des Geschriebenen“ (Hermann Schlösser) merkt man an, dass es dem Autor ernst ist; akademische, literarische und rhetorische Register werden gezogen, um einer Erfahrung nachzuspüren, deren Dringlichkeit im Nachfahren nicht abnimmt, sondern sich erneuert.


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