Sex, Drogen und Goldbrösel

Literatur | Sabine Scholl | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Jennifer Egans Roman "Der größere Teil der Welt“ setzt dem Verfall der Musikindustrie ein Denkmal

Chronos ist halsbrecherisch und rücksichtslos. Um das tollste Foto einer Safari zu erbeuten, schleicht der Rockstar mit dem mythologischen Namen ins Revier der Löwen. Als ein Tier zum Sprung ansetzt, rettet ihn ein Schuss vor dem sicheren Tod. Gerade noch.

Der Gott der Zeit herrscht über Jennifer Egans Roman, für den sie 2011 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Die Episode um den Musikproduzenten Lou, der mit junger Geliebter, Kindern und Rockstarfreunden auf Safari geht, fokussiert alle thematischen wie formalen Elemente: Sex, Drogen, Neurosen, Tod, Rock ’n’ Roll - diese werden nicht verklärt, sondern als Metaphern für Vergänglichkeit genutzt.

Die Umschlaggeschwindigkeit im Musikbusiness ist hoch: So schnell man gehypt wird, so schnell verschwindet man auch wieder. Daher drückt die Autorin ihre Figuren in zeitliche Raster, die gleich einem Abspielgerät auf fast forward


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