Das Unglück ist eine Tochter des Schweigens

Literatur | Stefan Ender | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

In ihrer "Chronik der Nähe“ erzählt Annette Pehnt von drei Frauengenerationen einer Familie

Mit dem Themenbereich Familie hat jeder so seine Erfahrungen. Die Geworfenheit eines Menschen in einen sozialen Verbund kann positive oder negative Folgewirkungen für diesen Menschen haben - das hängt eben von der Beschaffenheit dieses Verbundes ab. Und wenn man seit Tolstoi weiß, dass sich glückliche Familien ähneln, unglückliche aber auf ihre eigene Art und Weise unglücklich sind, so wird einem in Annette Pehnts neuem Roman "Chronik der Nähe“ sozusagen die Fortpflanzungstechnik allen familiären Unglücks vor Augen geführt.

Echogleich hallt sehr oft im Leben der nächsten Generation das Unglück der vorherigen wider. Dass dies zumeist aber nur einer unglückseligen Tradition des Schweigens geschuldet ist und dass diese Kette an seelischen Deformationen und Verletzungen durchbrochen werden kann, wenn man nur endlich über die erlittenen Traumata spricht - das kann man dem jüngsten


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