Alles ist kontaminiert

Julia Zarbach | Literatur | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Die Atomenergie und ihre Folgen: Javier Sebastiáns gut recherchierter wie engagierter Roman "Der Radfahrer von Tschernobyl“

In Prypjat befindet sich der traurigste Rummelplatz der Welt. Am 1. Mai 1986 sollte er eröffnet werden, am 27. April, einen Tag nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, wurde die Stadt, die nur drei Kilometer vom Unfallort entfernt ist, evakuiert. Der Vergnügungspark mit seinem verrosteten Riesenrad und seinen nie verwendeten Autoscootern ist ein eindruckvolles Bild der Auslöschung zu Beginn des Romans. "Der Radfahrer von Tschernobyl“ will Leben hineinbringen, indem er jene Autoscooter erstmals in Bewegung setzt.

Der Roman geht zurück auf den im Jahr 2008 verstorbenen Atomphysiker Wassili Nesterenko, der die Katastrophe miterlebte und sich für die Aufklärung der Folgen des Reaktorunfalls einsetzte. Der Spanier Javier Sebastián hat die Geschichte Nesterenkos, die schon in der Realität ziemlich aufregend war - unter anderem entging er zwei Attentatsversuchen

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