Unseliges Versinken

Literatur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

"Oblomow“, Iwan Gontscharows erschütternde Diagnose eines Depressiven, liegt in neuer Übersetzung vor

In Hinblick auf den Nachruhm ist Kafka allem Anschein nach der perfekte Name, lässt sich aus ihm doch ein so schmuckes Adjektiv wie "kafkaesk“ bilden. Andere, vorzugsweise zweisilbige und nicht auf Zischlaute endende Namen fügen sich gut ins gleiche Schema: "bernhardesk“. Abseits davon aber wird’s selbst für Autoren mit so schlichten Namen wie Dickens oder Doderer schwierig. Am allerblödesten sind russische Namen. "Dostojewskiesk“? "Tolstoioid“? Geht gar nicht.

Iwan Alexandrowitsch Gontscharow hat das Problem antizipiert und sich um den Begriff, der seinen Nachruhm sichern helfen sollte, selbst gekümmert: Die "Oblomowerei“ leitet sich von seinem berühmtesten Geschöpf, dem Protagonisten des 1859 in Erstfassung erschienenen Romans "Oblomow“, ab und bezeichnet die Krankheit, an der der Titelheld laboriert und letztendlich zugrunde geht. Der Leser begegnet Oblomow, einem


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