Fälscher, ihre Aufdecker und Lehrlinge

Robert Czepel | Sachbuch | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Geschichte: Anthony Grafton präsentiert die Geisteswissenschaft als Geschichte von Fälschungen

Der Titel - "Fälscher und Kritiker. Der Betrug in den Wissenschaften“ - könnte falsche Erwartungen wecken. Denn Anthony Grafton interessiert sich nicht für erfundenes Zahlenmaterial, sondern für kunstvoll gefälschte Schriftstücke in Literatur, Philologie und Recht.

Sein Blick ist ein genuin historischer, die Spannweite enorm: Der Historiker von der Princeton University beschreibt die Täuschungsmanöver der gebildetsten Männer (Frauen kommen nicht vor) der westlichen Kulturgeschichte zwischen Antike und Renaissance. Sein 1991 erstmals auf Deutsch erschienener und nun als Taschenbuch neu aufgelegter Essay ist die Geschichte eines intellektuellen Wettrüstens.

Das Urmotiv der literarischen Fälschung stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Hauptfigur ist der Philosoph Dionysos, als Stoiker der Überzeugung, Empfindungen wie Schmerz seien nicht real - bis ihn eine (schmerzhafte) Augenentzündung

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