Je sens, donc je suis: Ich fühle, also bin ich

Sachbuch | Sebastian Kiefer | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Geschichte: Vor 300 Jahren wurde Friedrich II. geboren - und die Gefühlspolitik, sagt Ute Frevert

Bismarck beklagte die Schwäche der Deutschen für "Gefühlspolitik“ und dachte dabei zuerst an Friedrich Wilhelm IV., den "Romantiker“ auf Preußens Thron. Der pflegte sein Gottesgnadentum, setzte con passione neugotische Schlösser und andere Plaisierchen in die Welt, reagierte jedoch planlos auf die Forderungen der 1848er-Bewegung. Der Gegentypus dazu wollte selbstredend Bismarck selbst sein, der ein einziges Ziel, Einigung und Aufstieg Deutschlands unter preußischer Führung, mit eiserner Hand, List und Kalkül planmäßig realisierte.

Eine solche Dualität ist natürlich selbst bloß rhetorisch, denn Politik bedeutet seit je Mobilisieren und Kanalisieren von Leidenschaften, eine Balance von Verheißung und Drohung. Diese Einsicht stand am Beginn Europas und der Demokratie, bei den alten Griechen. Gerade die "Nation“ war zu Bismarcks Zeiten eine Massen mobilisierende Ersatzreligion:


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