Film  Neu im Kino

"Contraband“: Termin-druck am Containerschiff

Lexikon | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Die Erfindung des Containerschiffs, so argumentiert die feine Doku "The Forgotten Space“, habe die Spuren des globalisierten Handels verwischt. Zu diesem unlängst angelaufenen Essayfilm bietet sich der Thriller "Contraband“ als Partnerstück: In den bunten Transportboxen und engen Korridoren eines Frachtschiffes wird hier tatsächlich heiße Ware versteckt. Als heimlicher Schmugglerkönig an Bord gibt Mark Wahlberg einen Virtuosen im Unsichtbarmachen von Kapital- und Warenströmen.

Nicht Virtuosität, sondern hyperaktives bis fahriges Handwerk in Kamera- wie Handlungsführung bietet dieses Remake. In dessen isländischer Vorlage von 2008 ("Reykjavík Rotterdam“) fungierte der Regisseur der neuen Version, Baltasar Kormákur, als Hauptdarsteller. Konsequent ist die Versetzung nach New Orleans vor allem im Ausmalen eines postindustriellen Alltags: Die raumgreifenden Panoramaaufnahmen - Atempausen im Wackelkameragerausche - zeigen bevorzugt Industrielandschaften. Aber auch wenn Akzente, Frisuren und Schauplätze hier auf working class machen, hat jeder schon sein eigenes Kleinunternehmen laufen.

Was als Milieu zersetzt ist, wird als Ethos hochgehalten: Als der Schwager bei einem lokalen Gangster (Giovanni Ribisi) in die Schuld gerät, muss Wahlbergs Meisterschmuggler solidarischen Familiensinn gegen Kapitallogik und illoyale Aufsteiger verteidigen. Zugleich ist ihm die Freude anzusehen, wenn er für einen allerletzten Coup aus seiner legalen Consulter-Existenz zur handwerklichen Berufung im Männerverbund zurückkehren darf. Den Film wird mögen, wer wie sein Protagonist der irrwitzigen Termindruck-Dramaturgie aus sich türmenden Plotwendungen und Rettungen in letzter Sekunde Vergnügen abgewinnt.

JOACHIM SCHÄTZ

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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