Das Next Liberty zeigt "Die Räuber“ in einer reduzierten Fassung

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Die Bühne zeigt eine Reihe grün gestrichener Ölfässer, ein großes Sofa und eine Leinwand, auf der Videos im Super-8-Style dem Zuseher sagen: Hier geht’s um eine Familiengeschichte. "Die Räuber“, Friedrich Schillers erster Bühnenhit, ist die in jeder Hinsicht dramatische Chronik eines Generationskonfliktes, die Schiller klug als Bruderkrieg inszeniert und noch klüger in ideologische Kämpfe seiner Zeit verpackt. Der väterliche Absolutist dankt ab, auf ihn folgen der Tyrann (Franz von Moor) und der Idealist (Karl von Moor), den die böse Welt zum Verbrecher macht. Die Moral, so der junge Schiller, hat man im Gefühl oder gar nicht. C.C. Weinberger inszeniert das stark gekürzte Stürmen und Drängen so, dass Schillers Geschichte und seine zentralen Anliegen deutlich sichtbar bleiben, Spannung wird dem Abend von einem Percussionisten mit bedrohlich grinsender Clownmaske (Philipp Pluhar) eingebläut, der die Metallfässer bearbeitet. Ab und zu nutzt die Regie für ihre Erzählung auch Mignon Ritters klares Bühnenkonzept und Roland Renners Video. Zu Schillers Zeiten löste das Drama einen kulturellen Großbrand aus, dass der Funke in der vom Next Liberty genutzten Messehalle nicht so ganz überspringt, hat weniger mit der künstlerischen Umsetzung zu tun, als mit der Konzentration auf Konflikte, die - nun ja - nicht mehr ganz so gut nachvollziehbar sind, wie uns das Ensemble glauben machen soll. Stimmt schon, ab 14 stürmt und drängt auch heute noch so einiges, aber Schillers Vorstellung vom hormonellen Durcheinanders sieht - etwa wenn’s um die Liebe geht - doch schon etwas alt aus. F

Next Liberty auf der Grazer Messe, Sa 19.00 Uhr


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