Die Rabtaldirndln machen am Schauspielhaus Elfriede Jelinek Konkurrenz

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Doppelschlag im Schauspielhaus: Während im großen Haus Elfriede Jelineks aufsehenerregendes Drama "Rechnitz (Der Würgeengel)“ Premiere feiert, geben sich auf der Probebühne die Rabtaldirndln mit "Berge versetzen“ ein Stelldichein - beides mehr als vielversprechende Theaterereignisse. Ein Glück also, dass die Damen aus dem Rabtal auch am Wochenende noch Berge versetzen (Sa, So 20.00 Uhr). Die Arbeit der viel gefeierten Off-Theateranarchistinnen wurde als Koproduktion mit dem brut Wien in Zusammenarbeit mit dem Pathos Theater München und Südpol Luzern entwickelt und war bislang noch nicht in Graz zu sehen.

Noch exklusiver die Produktion auf der Hauptbühne: Elfriede Jelinek soll einer österreichischen Aufführung des 2008 an den Münchner Kammerspielen erstmals gezeigten Dramas stets ablehnend gegenübergestanden sein, 2010 war die Münchner Produktion dennoch bei den Wiener Festwochen zu Gast. Im selben Jahr sorgte das Stück in Düsseldorf für einen Theaterskandal. Umso erfreulicher, dass die Nobelpreisträgerin ihren Text nun für Graz freigab, wo Jelinek-Kenner Michael Simon eine rauschhaft-exzessiv inszenierte Textskulptur verspricht. In "Rechnitz (Der Würgeengel)“ nutzt Jelinek Luis Buñuels Film "Der Würgeengel“ als Inspiration für eine Aufarbeitung des Mordes an 200 jüdischen Zwangsarbeitern auf Schloss Rechnitz im Burgenland. Das Massaker wird auf den 24. März 1945 datiert und soll Ausklang einer Party der Schlossherrin Gräfin Margit von Batthyány gewesen sein. F

Premieren: Schauspielhaus Graz, Fr 19.30 (Rechnitz. Der Würgeengel), 20.00 Uhr (Berge versetzen)


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