Mediaforschung  Nachfragekolumne

Herr Hoch, warum schaut Ihr Chef so finster drein?

Medien | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Mit starren blauen Augen und grimmig verzogenem Mund blickt Manfred Juraczka den Betrachter an. "Schaut aus, als ob etwas zwickt“, schreibt ein User auf der Facebook-Seite der Wiener ÖVP über die neue Plakatkampagne, die den frisch gekürten Obmann der Wiener Schwarzen zeigt. Und: "Als hätte der Fotograf im schlechtesten Moment abgedrückt.“ Der Hintergrund der Fotos ist so grau wie Juraczkas Anzug, der einzige Farbklecks ist das Rot im Wiener Wappen.

Die Sujets, die seit kurzem die Plakatwände und Straßenbahnhaltestellen der Stadt pflastern, kündigen einen "Neustart für Wien“ an. Der soll sich auf die Bereiche Wirtschaft, Verkehr und Bildung konzentrieren. "Wir versuchen unsere drei Grundpositionen darzustellen“, sagt Alfred Hoch, der als Geschäftsführer der Wiener ÖVP für die Kampagne verantwortlich ist. Juraczkas finsterer Blick scheint dabei seinen Ärger über die neuen Parkpickerln zu unterstreichen. "Autofahrer wollen Alternativen. Und keine Schikanen“ steht auf einem Sujet. Auch beim Gedanken an die Gesamtschule vergeht ihm das Lachen: "Jedes Kind ist anders. Warum sollten alle in die gleiche Schule gehen?“ Nur auf dem dritten Plakat ringt er sich fast zu einem Schmunzeln durch: "Arbeitsplätze kommen nicht aus dem Rathaus, sondern aus der Wirtschaft.“

Aber jetzt im Ernst: Warum schaut Juraczka so finster drein? "Wenn, dann sieht er ernst und nachdenklich aus, weil wir an jedes Thema ernsthaft herangehen“, sagt Hoch. "Ich finde, er macht ein freundliches Gesicht.“ Vera Bandion


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