Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste Übersetzung der Welt der Woche

"I hab g’hört, du magst gern flirten“

Feuilleton | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Die Band Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune, die aus den oft morbid gestimmten, dem Leben ansonsten aber schon sehr zugewandten FM4-Journalisten und Musikern Fritz Ostermayer, Christian Fuchs, David Pfister und Robert Zikmund besteht, hat als Überbrückung zum nächsten Album, das noch etwas brauchen wird, ein Lied ins Netz geschmuggelt: "Video Spü“ ist eine Übertragung von Lana Del Reys Hit "Video Games“ ins österreichische Deutsch - irgendwo zwischen Wienerisch und einer ganz leisen steirischen Note, die der Herkunft von Sänger Christian Fuchs geschuldet ist.

Die Musik folgt weitgehend dem bekannten Original, nur ein bisschen Ziehharmonika hat sich eingeschlichen. So weit, so nett, könnte man sagen, wäre da nicht die großartige Übersetzung, mit der Fuchs Lanas Lied noch verbessert hat. Er erzählt die Geschichte von der Liebe eines Mannes zu seinem Schatzi, die so groß ist, dass das Schatzi mit seiner Zuneigung nicht mithalten kann. "Du wüst nur a Ruah“, klagt der einseitig Entflammte: "Tiaf in meim Herz, da brennt a Feuer, und des brennt dort nur für di.“

Und dann kommt die Stelle, an der Lana affektiert "I heard that you like the bad girls, honey - is that true?“ singt. Die Neigungsgruppe macht daraus "I hab g’hört, du magst gern flirten“. Und weiter: "Schatzi, hast net g’nua? Besser ois mit uns kann’s doch net wer’n, trotzdem möcht i ollaweil nur rean. Und du sagst, i soll net stör’n. Schatzi, i möcht sterb’n.“ Erfüllung im Augenblick und ewige Erlösung von allen Plagen, am besten gleichzeitig: Das ist ein Begehren, das Ostermayer und Fuchs schon lange beschäftigt. Für vier Minuten kommen sie dem Ziel hier gefährlich nahe.

Man darf gespannt sein, wie der kürzlich gedrehte Clip zu "Video Spü“ ausfallen wird.

SEBASTIAN FASTHUBEr


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