Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek/Zürich | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Jelinek gegen Goethe, das ist Brutalität: Die Wiener Autorin sieht in Doktor Faust einen Verwandten von Fritzl und Priklopil

Heinrich Faust ist Wolfgang Priklopil. Faust ist auch der Chef, der die Supermarktangestellte entlässt, weil sie abgelaufene Joghurtbecher mit nach Hause genommen hat. Und Josef Fritzl ist auch Faust.

Elfriede Jelinek hat sich, auf ihre unvergleichliche Art, Goethes "Faust“ vorgenommen. "FaustIn and out“ heißt der Text, in dem sie dem Hauptwerk des Klassikers streng feministisch auf den Zahn fühlt.

Doktor Faust, der das von ihm geschwängerte Gretchen auf dem Gewissen hat, wird von Jelinek als personifizierter Unterdrücker interpretiert; in ihrem Text spiegeln sich Faust und Gretchen in Priklopil und Natascha Kampusch, in Fritzl und seiner Tochter (und in ein paar anderen, weniger prominenten Zeitgenossen).

"Man könnte sagen, ich renne mit der Schaufel und dem Besen hinter Faust her und beseitige den Menschenmüll, den der Klassiker hinterlassen hat“, sagt


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