Stadtrand Urbanismuskolumne

Polizist Nr. eins und die Lizenz zur Willkür

Stadtleben | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Donnerstagabends am Karlsplatz: Weil es schneeregnet, wählt die Autorin den Weg durch die Passage. Plötzlich bauen sich zwei Männer vor ihr auf, halten sie an. "Ham S’ an Ausweis dabei?“, fragt der eine, während sich der andere als ziviler Polizeibeamter zu erkennen gibt. Klar, Ausweis dabei - aber nur dann dazu verpflichtet, ihn herzuzeigen, wenn der begründete Verdacht einer Straftat besteht. Der bestehe, behauptet Polizist Nummer eins. "Schau ma mal, ob ma was offen ham!“ Sprich: Einladung zur Abfrage des Polizeicomputers am Revier.

Das Ganze wäre nicht der Rede wert, zumal die Herren Polizisten nur das taten, wofür sie bezahlt werden und "ma ja nix offen ham“, um bei den Worten von Nummer eins zu bleiben. Bloß, genau das ist das Problem: Beamte wie er. Nämlich solche, die ihre Machtposition als Ventil missverstehen, um im Dienst ihren persönlichen Vorurteilen zu frönen, indem sie willkürlich Bürger demütigen. Offenbar vergessen diese Polizisten, dass sie der Bevölkerung verpflichtet sind - von normalem, gutem Benehmen und Vorbildfunktion ganz zu schweigen. F


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