Doris Knecht  Selbstversuch

Kann so bleiben, ist mir recht

Kolumnen | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Da sehe ich endlich einmal den Horwath und die Horwathin wieder, streckt mich auch schon ein mieses, kleines Magenvirus nieder. Ich kann bei der Vietnamesin, wo das Horwath’sche Wiegenfest heuer begangen wurde, gerade noch zuschauen, wie der Horwath seine Geschenke, Schwerpunkt Nautik, auspackt, dann geht nichts mehr, nur noch bleiches Abschiedsgewinke vor dem Heimgewanke. Es war zum Glück nur ein mildes Virus. Und es ist zum Glück endlich Frühling, was uns den Horwaths nun nach einer langen, finsteren Phase des Darbens wieder näher bringt, nämlich in die Waldviertler Nachbarschaft. Sonst sieht man sich ja nicht mehr. Gar nicht mehr.

Das Kindsvolk ist schuld: Einerseits braucht es nicht mehr zur Schule begleitet und vom Hort abgeholt zu werden, was stets Anlass zu frohem elterlichem Gedankenaustausch in der gastronomisch vorbildlich erschlossenen Umgebung gab. Andererseits sind die Mimis und der Horwath-Schurli gerade in dem Alter, wo es zwischen den Geschlechtern recht wenig Berührungspunkte gibt: Die Buben sind deppert, die Mädchen sind doof, die Buben sind grindig, die Mädchen sind zickig, die Buben ekelhaft, die Mädchen sind tussig. Die Buben hauen immer gleich, die Mädchen heulen immer gleich.

Die Schnittmenge der gruppenübergreifenden Gesprächsthemen liegt, abseits von gemeinsamen Interessen wie "Super Mario“ oder "Star Wars The Clone Wars“ sehr nahe bei null. Von Zwischenmenschlichkeiten ist man glücklicherweise noch Lichtjahre entfernt, da jeglicher ungleichgeschlechtliche Körperkontakt als pervers und peinlich gilt. Kann so bleiben, ist mir recht.

Selbst das Bubenmimi hat sich angesichts der unerträglichen Doofheit nun fix entschlossen, ein Mädchen zu sein und zu bleiben, wenngleich auch fürderhin unter weitgehendem Verzicht auf alle weiblichen Attribute, mit Ausnahme des Zopfgummis, den die Karatelehrerin angeordnet hat. Die ist cool, muskulös, stark und gefährlich und darf das deshalb. Auch das ist mir recht, kann mir gerade kein besseres Rolemodel für zwei Zehnjährige denken.

Obwohl, wie ich eben erfahre, der Horwath-Schurli eh gar nicht so sei, der sei ja noch der Harmloseste, mit dem könne man einigermaßen normal konversieren, der tue auch nicht immer so cool, der sei schon okay. Ach, wusste ich gar nicht. Dann hätten wir uns doch eh viel öfter sehen können … Aber wenigstens verspricht uns dieser Umstand etwas mehr Harmonie in der Sommersaison und sowohl am Ost- als auch am Westhof weniger Tränen und Geschrei und blaue Flecken von Stockhieben und gut gezielten Würfen mit unreifem Obst. Jedenfalls eröffnen wir hiermit die Spießersaison, die Kuhfell-Hölzler-Saison, die Grillsaison, die Horwathsaison. Der Lange jagt wieder Maulwürfe und ich werde heuer all die Tischtennisdemütigungen, die ich als Kind erleiden musste, an meine Kinder weitergeben. Schön wird das. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige