Fragen Sie Frau Andrea

Aufgabe für Titanen: die Triangel

Kolumnen | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Liebe Frau Andrea,

ich war gerade im hervorragenden Konzert der Symphonie Nr. 7 E-Dur von Anton Bruckner und ließ mich vom Geschätzte-10-Sekunden-Auftritt des Triangel-Orchestermusikers ablenken. Können Sie mir sagen, wie so eine Woche im Leben eines Triangel-Orchestermusikers aussieht? Was wird da gelernt bzw. gelehrt? Wie viel verdient so jemand? Mit freundlichen Grüßen,

Bettina Strausz,

per Elektronachricht

Liebe Bettina,

in bescheidener Kenntnis des Wiener Konzertlebens nehme ich an, dass Sie ein klassisches Konzert des Budapester Festival-Orchesters unter ihrem Gründer Iván Fischer besucht haben. Die von Ihnen bewunderte Triangelpassage ist das legendäre und unter Brucknerianern vielgeliebte Crescendo im Adagio, dem zweiten, langsamen Satz der Symphonie. Als triangelistisch Aufführender, mit großer Wahrscheinlichkeit saß er links vom Paukisten Dénes Roland, kommt einer der Perkussionisten des Orchesters infrage, die Herren Herboly László, Kurcsák István, Pusztai Gábor und Szente Gáspár. Ein Blick auf die Orchestermitgliederparade der Website der Kapelle könnte Ihnen hier endgültige musikalische Sicherheit bieten. Damit wären auch die anderen Ihrer Fragen fast beantwortet.

Als Mitglied eines großen, vielbeschäftigten Orchesters dürfte eine Woche im Leben eines brucknertriangelspielenden Perkussionisten mit Proben und Konzerten gefüllt sein, mit Reisen, Üben und Lehrtätigkeit. Den Verdienst eines hochqualifizierten Orchestermusikers, Triangelspieler beherrschen auch eine Vielzahl anderer hochkomplexer Schlaginstrumente, dürfen wir in jenen Sphären ansiedeln, die eine gutbürgerliche Existenz ermöglichen.

Eine satirische Annäherung an die Stimmungen, denen Triangelspielende während eines großen Konzerts ausgeliefert sind, hat der geniale Kabarettist Georg Kreisler in seinem Lied "Das Triangel“ versucht: "Ja, da sitz’ ich mitten im Orchester drin und halte bereit mein Triangel. Und endlich zeigt der Dirigent auf mich hin, und schon steh’ ich auf und mach: Ping. Ich komm’ erst auf Seite neunundachtzig dran, ja, an Zeit hab’ ich keinen Mangel. Ich könnt’ ja was lesen, doch da schaut er mich an, und schon steh’ ich auf und mach: Ping.“ F


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