Menschen

Preis, Baby!

Falters Zoo | aus FALTER 11/12 vom 14.03.2012

Austrias nächstes Topmodell wurde gekürt. Wie die glückliche junge Dame heißt? Haben wir vergessen. Ehrlich gesagt: Wir haben es gar nie gewusst, weil wir diese Staffel nicht gesehen haben. Weil es langweilig geworden ist und weil nicht einmal das "Ich will meine Haare nicht abschneiden lassen“-Drama uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Wir freuen uns lieber mit Joana Adesuwa Reiterer, jener jungen Frau, die sich unermüdlich gegen Menschenhandel engagiert (und der der Falter vor zweieinhalb Jahren eine vielbeachtete Titelgeschichte gewidmet hat). Nun erhielt Frau Reiterer im Alten Rathaus für ihr Engagement den Merit Award 2012, die Laudatio hielt die Journalistin Corinna Milborn. Übrigens war es nicht der erste Menschenrechtspreis für die Nigerianerin - sie bekommt eigentlich jährlich so was. Vollkommen zu Recht und gut so.

¦

Einen Preis sollte man, das geht jetzt an den zuständigen Kulturstadtrat, langsam auch der kanadischen Musikerin Leslie Feist zukommen lassen. Der wahrscheinlich reizendsten kanadischen Musikerin, die jemals in Wien aufgeschlagen ist. Vielleicht eine goldene Rathausfrau oder wie das heißt. Frau Feist nämlich gab vor Jahren ihr erstes Europa-Konzert im winzigen Gürtelbogenbranntweiner B72 - gemeinsam mit Kollegin Peaches. Überhaupt liebt die Künstlerin, die ihrerzeit ein Paris-Stipendium besaß, unser kleines Städtchen: die schönen alten Häuser, das Café Korb. Ob Feist die Gasometer-Halle ebenfalls mag, wissen wir leider nicht. Jedenfalls gab sie dort vergangene Woche ein Konzert, bei dem sie vor allem ihr neues Album "Metal“ vorstellte und weniger die alten Nummern spielte. Egal. Wir wünschen uns fürs nächste Mal wieder einen kleineren Konzertsaal. Das B72 zum Beispiel.

¦

Um Preise geht’s auch bei der Romy-Verleihung. Die jährlich stattfindene Gala gilt ja für viele auch als die Austro-Oscars. Bisschen übertrieben vielleicht. Jedenfalls lud Romy-Erfinder Rudolf John mit den Kurier- und ORF-Verantwortlichen zum Pressefrühstück, um die Nominierten für heuer (bitte, bitte, Nicholas Ofczarek! Und hallo, neu, oder?: der geschätze Kollege Thomas Rottenberg für Servus TV) und vor allem die Moderatorin der Show bekanntzugeben. Darum wird ja immer ein bisschen ein Geschiss gemacht. Jedenfalls ist es die wunderbare, hierzulande leider wenig bekannte Barbara Schöneberger. Nun, die Idee ist jetzt nicht so wahnsinnig neu. So überraschend kommt das nicht. Hat sie auch schon oft gemacht. Da möchte wohl wer auf Nummer sicher gehen. Wetten, dass die Sendung trotzdem gähnlangweilig wird?

¦

Der französische Architekt Dominique Perrault kam nach Wien, um am Festival "Turn on“ teilzunehmen und die Baustelle des höchsten Hauses des Landes zu besuchen, den DC-Tower auf der Donauplatte. "Sehen Sie, alles sauber“, sagte er kurz vor dem "Turn on“-Cocktail im Hotel Sofitel. Der schwarze Paul-Smith-Anzug hatte den staubigen Ausflug tatsächlich unbeschadet überstanden. Neugierig, auch ein bisschen neidisch, inspizierte der Gast das Hotel, ein Werk seines Kollegen Jean Nouvel, der nicht nur mit der Gebäudehülle, sondern auch mit der gesamten Einrichtung beauftragt worden war. "Bei meinem Hotel in Mailand durfte ich die Möbel nicht selber machen.“ Wenn doch nur alle Stars so uneitel wären!

christopher wurmdobler

matthias dusini

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige