Seinesgleichen geschieht  

Es tropft: Michael Spindelegger privatisiert die öffentliche Moral

Der Kommentar des Chefredakteurs


Armin Thurnher

Falter & Meinung | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Reden wir über die ÖVP. Eine Partei schmilzt vor unseren Augen ab wie die Gletscher im Klimawandel, aber diese Partei zieht es vor, den Klimawandel zu leugnen. Metaphorisch gesprochen natürlich, denn in Österreich ist jede Partei eine Umweltpartei, zumindest in ihren verbalen Äußerungen. Der politische Klimawandel trägt zur Schmelze der sogenannten Volksparteien bei. Bei der einzigen unter ihnen, die das Volk auch noch im Namen führt, tropft es besonders stark.

Momentan leiden wir an einer Hitzewelle der Skandale, und während es der FPÖ bei beachtlicher personeller Kontinuität gelingt, so zu tun, als hätte sie mit all dem nichts zu tun, apern in einem fort vor kurzem noch führende Exponenten der ÖVP aus; die Sanierer, Privatisierer und Modernisierer aus grauer Vorzeit kommen uns plötzlich als Ötzis entgegen, als Verdächtige oder Beschuldigte. Die alten Posen wirken wie ausgestopft: das fliegende Haar des Exfinanzministers, das freche Grinsen des Exinnenministers, der forcierte

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