Meinesgleichen

Was kann Joachim Gauck?

Falter & Meinung | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Vor der Wahl des neuen deutschen Bundespräsidenten war von seinen Befürwortern das eine oder andere zu hören, was die Vorfreude auf den Bürgerrechtler und Pastor Joachim Gauck als deutschen Bundespräsidenten in meinen Ohren dämpfte. Er sei ein "Demokratielehrer“ schlechthin, sagte der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier und verwendete dabei ein Wort von Gauck. Der FDP-Mann Brüderle sagte schlicht, die von der FPD seien "Fans von Gauck“. Und Gauck selber sagte den bedenklichen Satz: "Die Deutschen können Freiheit.“ Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Man kann die Freiheit lieben, sie sich erkämpfen, sie als den Grund jeder moralischen Entscheidung ansehen - aber können?

Joachim Gauck gilt als großartiger Redner, als der beste politische Redner der Bundesrepublik, habe ich gelesen. Die Hoffnungen, die man nun auf ihn projiziert, klingen aus der Distanz geradezu fantastisch. Der Mann muss alles richten, von sozialer Gerechtigkeit bis Wirtschaftsliberalismus. Und er muss es so richten, wie man es der Politik nicht mehr zutraut: als freier Bürger, nämlich phrasenfrei. Von ihm erwartet Deutschland offenbar nichts weniger als den exemplarischen Gebrauch öffentlicher Vernunft. Gauck selber sagt, er müsse sich jetzt beraten lassen, welches der richtige Weg sei, authentisch zu bleiben und nicht wie ein Provokateur zu wirken. In diesem Fall kann man nur auf eine gewisse Beratungsresistenz hoffen. Von gestylten Authentizisten haben wir in der Politik genug.


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