Eine Mumie denkt gegen ihren eigenen Tod

Politik | Rezension: Sibylle Hamann | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Der große Intellektuelle Tony Judt war stets auf der Suche. Als eine Krankheit ihn in seinem Körper einsperrte, zog er zarte, kluge Bilanz

Man muss sich das vorzustellen versuchen: Langsam kriecht die Krankheit durch den Körper und legt einen Teil nach dem anderen still. Erst einzelne Finger, dann die Beine und Arme, später auch die innere Muskulatur, die die Verdauung und die Atmung steuert. Langsam verliert man jede Empfindung. Es tut nicht weh. Der Verstand bleibt die ganze Zeit über hellwach. So, als wolle er dem Körper bei der fortschreitenden Erstarrung zuschauen, sie analysieren, kommentieren, bis zuletzt.

Tony Judt, einer der großen Intellektuellen unserer Zeit, hat in den Jahren vor seinem Tod genau das erlebt. "Ich kann mich nicht kratzen, meine Brille nicht zurechtrücken, Speisereste zwischen den Zähnen nicht entfernen oder all die anderen Dinge.“ Er kann nicht mehr lesen, nicht mehr schreiben, er kann bloß noch denken. Nachts wird er in sein Bett gelegt "und mit Kissen


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