"Der Wolf war ein böser Onkel“

Feuilleton | Interview: Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Literaturwissenschaftler Michael Maar erklärt, warum Märchen unsterblich sind und wie sie überleben

Märchen scheren sich einen Dreck um Handlungslogik und feinziselierte Motivarbeit, sie sind krude und unglaublich grausam. Umgekehrt sind sie selber ziemlich hart im Nehmen, sprich: echte die hards, die selbst in unseren politisch und pädagogisch korrekten Zeiten nicht umzubringen sind, in der viele davor zurückscheuen, ihre Leibesfrüchtchen mit bösen Schwiegermüttern, Wölfen und Kinderfressern zu drangsalieren.

In seinem soeben erschienenen Buch "Hexengewisper. Warum Märchen unsterblich sind“ verfolgt der Literaturwissenschaftler Michael Maar Märchen bis zu ihren Wurzeln zurück. Im Falle von "Hänsel und Gretel“ liegen diese im Dreißigjährigen Krieg, andere Motive und Stoffe dürften bis tief in die frühe Menschheitsgeschichte zurückreichen. Ihre Unsterblichkeit aber verdanken sie dem Umstand, dass sie als "Glutkern“ ein Tabu enthalten, das "erst in der Asbesthaut der


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