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Stadtleben | aus FALTER 12/12 vom 21.03.2012

U-Bahn-Fahren ist oft wie das Lesen fremder Tagebücher: Man erfährt Dinge, die man lieber nicht gewusst hätte. Für ein paar Stationen teilt man das Leben der Mitfahrer und Intimitäten, die einen nichts angehen sollen und wollen. Die Episode mit dem übergewichtigen Mädchen etwa: "Also, gestern hamma so miteinander gredt“, sagt das Mädchen zur Freundin, die neben ihr sitzt und gebannt zuhört; offenbar sind die beiden auf dem Weg zur Schule. "Und dann hat er gsagt, dass er mich eigentlich schon ure liebt. Also, dass ich die eine bin. Und dass er sich mich unter 4000 anderen ausgesucht hat.“ Sie mag 15 Jahre alt sein, vielleicht 16. "Dann hat er gsagt, dass er Schluss macht, wenn ich nicht abnehm, und dass ich eine fette Sau bin“, sagt sie. Dabei sei er in Wahrheit doch so ein Netter, "wenn wir alleine sind, ist er ganz anders, als wie wenn ihr alle dabei seids.“ Dann findet er sie nämlich nicht schiach, sondern will mit ihr ins Bett.

Und da keimt er wieder auf, der Wunsch nach einer besseren Welt. Bis zu seiner Erfüllung muss es wohl ein MP3-Player tun. Einer ohne Lautstärkenbegrenzung.


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